
Grübeleien und unnötige Sorgen – welche Frau über 50 kennt sie nicht? Ab unserer Lebensmitte verändert sich vieles. Darüber habe ich auch in meinem Bericht Neue Wege gehen – Warum Veränderungen ab 50 neue Perspektiven eröffnen geschrieben. Gleichzeitig wird unser Schlaf oft leichter, wir wachen nachts häufiger auf und kommen schwerer zur Ruhe. Auch ich habe mich in den letzten Wochen einige Male dabei ertappt, plötzlich mitten in der Nacht aufzuwachen und mich zahlreichen negativen Gedanken ausgeliefert zu fühlen. Mitunter sind es immer wieder dieselben Fragen, Sorgen und Ängste, die uns beschäftigen und uns den Schlaf rauben:
- „Wie soll ich das Problem nur lösen …?“
- „Warum verändert sich in letzter Zeit so viel?“
- „Wie soll das nur enden …?“
- „Was ist, wenn …?“
- „Kann ich das alles überhaupt schaffen?“
- „Was denken andere über mich?“
- „Hoffentlich habe ich nichts Falsches gesagt oder geschrieben!“
- „Wie hat er oder sie das nur gemeint?“
- „Und was ist, wenn etwas Schlimmes passiert?“
Vielleicht kommen euch diese Fragen bekannt vor? – Tatsächlich stellen viele Frauen über 50 fest, dass sie sich schneller Sorgen machen oder innerlich schwerer abschalten können. Warum das so ist und wie wir es endlich schaffen können, weniger zu grübeln, erfahrt ihr in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis
ToggleWeniger grübeln – leichter gesagt als getan
Wir leben in einer reiz- und informationsüberfluteten Zeit. Täglich prasseln unzählige Nachrichten, Eindrücke und Informationen auf uns ein. Ob in Kalkutta eine Brücke einstürzt, in China ein Sack Reis umfällt oder unsere Lieblingsschauspielerin gerade frisch verliebt ist, wir sind stets auf dem Laufenden. Die Welt scheint sich immer schneller zu drehen, doch leider kommt unser Kopf oft kaum noch hinterher. Unser Gehirn befindet sich sozusagen in einem permanenten Ausnahmezustand.
Warum unser Kopf nachts oft nicht zur Ruhe kommt
Einige von uns verlieren sich in Gedankenspiralen, wenn sie unter Stress stehen, sich überfordert fühlen oder belastende Gedanken nicht loslassen können. Dieses Phänomen wird heute auch als „Overthinking“ bezeichnet. Besonders nachts, wenn es ruhig wird, beginnen sich Probleme und Sorgen häufig im Kreis zu drehen. Unser Gehirn versucht dann, Lösungen zu finden, obwohl wir in diesem Moment meist gar nichts verändern können.
Dabei besitzt unser Gehirn gerade in der zweiten Lebenshälfte eine erstaunliche Fähigkeit zur Gelassenheit. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Zufriedenheitsparadox“: Forscher der Universität Witten/Herdecke haben herausgefunden, dass wir mit zunehmender Lebenserfahrung lernen, Glück und innere Ruhe unabhängiger von äußeren Umständen zu empfinden. Wir haben also biologisch gesehen die besten Voraussetzungen, um das Grübeln zu verlernen.
Frauen über 50 fällt Entspannung besonders schwer
Speziell wir Frauen ab 50 haben oft Probleme damit, gedanklich zur Ruhe zu kommen. In einer von Veränderungen und hormonellen Verschiebungen geprägten Lebensphase, hinterfragen wir manche Dinge deutlich intensiver als früher. Viele von uns leiden zusätzlich unter Schlafproblemen, was den Hang zum nächtlichen Grübeln noch verstärkt. Hinzu kommt, dass wir oft jahrzehntelang funktioniert haben. Wir haben Verantwortung übernommen und uns um Familie, Beruf und andere Menschen gekümmert. Unser Kopf ist deshalb nicht selten daran gewöhnt, nach Problemen und möglichen Gefahren zu suchen und für alles sofort die perfekte Lösung finden zu wollen. Wenn es nachts ruhig wird, holen uns diese Gedanken häufig wieder ein. Wie wichtig es ist, dabei auch die eigenen Grenzen wahrzunehmen, habe ich bereits im Beitrag Nein sagen lernen – So setzt ihr Grenzen ohne schlechtes Gewissen beschrieben.
Wie wir das Gedankenkarussell endlich stoppen
Aus eigener Erfahrung weiß ich: Je intensiver wir über unsere Probleme nachdenken, desto größer und bedrohlicher wirken sie auf uns. Doch glücklicherweise sind wir diesem unangenehmen Gefühl nicht hilflos ausgeliefert. Oft genügt es schon, negative Gedankenspiralen rechtzeitig zu erkennen und bewusst zu stoppen. Ich habe euch deshalb einen kleinen Notfallkoffer zusammengestellt, der mir selbst schon oft gegen das Gedankenkreisen geholfen hat:
Dem Kopf tagsüber bewusst eine Pause gönnen

Viele Sorgen nehmen wir mit in die Nacht, weil wir uns tagsüber kaum noch echte Ruhepausen gönnen. Unser Kopf steht ständig unter Strom und kommt häufig nicht zur Ruhe. In solchen Situationen versuche ich, mir kleine Auszeiten in den Alltag einzubauen. Spaziergänge, Sport, Musik, Lesen, Yoga oder Meditation können erheblich dazu beitragen, dass sich das Gedankenkarussell gar nicht erst so stark entwickelt. Auch das Aufschreiben negativer Gedanken kann dabei helfen, abzuschalten, denn niedergeschriebene Sorgen wirken auf Papier oft gar nicht mehr so unlösbar.
Aufmerksamkeit ins Hier und Jetzt zurückholen
Wenn ich bemerke, dass meine Gedanken kreisen, versuche ich, meine Aufmerksamkeit zurück ins Hier und Jetzt zu holen. Besonders gut funktioniert das, wenn ich fünf Dinge aufzähle, die ich sehen kann, vier Dinge, die ich hören kann und drei Dinge, die ich spüren kann. Das klingt vielleicht seltsam, hilft aber oft erstaunlich gut dabei, aus den Gedankenschleifen auszusteigen.
Bewusste Atmung
Die bewusste Atmung ist für mich eine weitere wichtige Ressource, die ich aber auch erst erlernen musste. Richtig durchgeführt, kann sie sehr beruhigend wirken. Viele Menschen atmen unter Stress sehr flach und hektisch. Deshalb ist es hilfreich, langsam und ruhig zu atmen und dabei etwas länger aus- als einzuatmen. Dadurch wird unserem Gehirn signalisiert, dass keine akute Gefahr besteht und wir uns entspannen können. Probiert es doch einfach mal aus: Atmet konzentriert einige Male nacheinander vier Sekunden lang ein und acht Sekunden lang aus. – Merkt ihr, wie ihr mit jedem Atemzug ruhiger werdet?
Gedankenschleifen gezielt unterbrechen
Gerade nachts erscheinen uns viele Sorgen deutlich schlimmer, als sie wirklich sind. Deshalb sollten wir uns dann keinesfalls tiefer mit ihnen beschäftigen. Hilfreich kann hier der „Gedankenstopp“ – eine bewährte Technik aus der Verhaltenstherapie – sein. Dafür unterbrechen wir unsere Gedankenschleifen einfach mit einem lauten „STOPP“. Anschließend lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas Beruhigendes, zum Beispiel auf schöne Erinnerungen, eine entspannende Geschichte oder einfach auf das Gefühl, sicher und warm im Bett zu liegen.
FAZIT
Immer mehr Menschen kennen das Gefühl, nicht mehr richtig abschalten zu können. Das betrifft besonders uns Frauen über 50. Denn wir tragen oft viele Sorgen, Erfahrungen und Erinnerungen mit uns herum, die uns gedanklich beschäftigen. Zusätzlich können uns hormonelle Umstellungen belasten. Weniger Grübeln bedeutet nicht automatisch, keine Probleme mehr zu haben, sondern unseren Gedanken nicht zu erlauben, unser Leben dauerhaft zu bestimmen. Je bewusster wir mit unseren Sorgen umgehen und je besser wir auf unsere eigenen Bedürfnisse achten, desto eher finden wir wieder mehr innere Ruhe.
Eure Meinung zählt
Macht ihr manchmal auch die Erfahrung, dass eure Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen wollen? Neigt ihr dazu, euch insbesondere nachts unnötige Sorgen zu machen und deshalb viele schlaflose Stunden zu verbringen? Wie schafft ihr es, das Gedankenkarussell wieder zu stoppen? Schreibt mir eure Erfahrungen und Gedanken gerne ins Kommentarfeld. Ich freue mich auf eure Nachricht!
Herzlichst,
Eure Birgit
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Unterhaltung. Ich bin keine Ärztin oder Wissenschaftlerin. Die Inhalte ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen sollte immer ein qualifizierter Arzt konsultiert werden.
Über die Autorin:
Ich bin Birgit, Gründerin von Lifestylegebiet-50plus. Als junggebliebene Frau über 50 schreibe ich über das, was uns in dieser wunderbaren Lebensmitte wirklich bewegt: den Mut zur Veränderung, neue Perspektiven sowie das Leben und die Freiheit ab 50. Mein Ziel ist es, euch mit meinen Impulsen zu ermutigen, diese Phase als Chance zu verstehen und euren eigenen, selbst bestimmten Weg zu gehen. Lasst uns gemeinsam neu durchstarten!

