
Seit ich die 50 überschritten habe, gibt es einen ziemlich erbarmungslosen Spaßverderber in meinem Leben: Es ist der „Ganzkörperspiegel“ im Schlafzimmer. Egal, ob ich morgens aufstehe, oder abends ins Bett gehe, ich komme einfach nicht an ihm vorbei. Manchmal zieht er mich ganz schön runter, denn er ist oft ziemlich ehrlich zu mir. Erst gestern stand ich wieder vor ihm und habe festgestellt, wie sehr ich mich in der letzten Zeit verändert habe. Schlaffer werdende Haut, Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, Pigmentflecken, Falten und noch einiges mehr. – Wer die 50 überschritten hat, der weiß vermutlich, wovon ich spreche. Es sind diese kleinen, aber natürlichen Anzeichen des zunehmenden Alters, die uns manchmal ganz schön verunsichern können. Einerseits möchten wir uns so akzeptieren wie wir sind und zu unserem Alter stehen, andererseits wünschen wir uns weiterhin attraktiv, modern und möglichst junggeblieben zu wirken.
Doch wie können wir die richtige Balance zwischen älter werden und jung bleiben finden? Müssen wir Falten akzeptieren, oder gegen jede einzelne ankämpfen? Dürfen oder sollten wir uns noch jugendlich und modisch kleiden? Dürfen wir uns noch jung fühlen, unsere Träume erfüllen und vielleicht noch einmal ganz neu anfangen? Oder schwebt unser Geburtsdatum wie ein ewiges Damoklesschwert über uns? Was ist, wenn der Wunsch jung zu bleiben irgendwann mehr Stress als Lebensfreude erzeugt? Können wir vielleicht aus den Erfahrungen vorheriger Generationen lernen und was kann uns dabei helfen, die richtige Balance zu finden? – Genau darum geht es in diesem Artikel.
Inhaltsverzeichnis
ToggleÄlter werden und jung bleiben – früher und heute
Es lässt sich nicht leugnen, dass wir Best Ager so lebenslustig, junggeblieben und aktiv wie niemals zuvor sind. Wir haben uns „die ewige Jugend“ auf die Fahne geschrieben und versuchen diesem Motto so gut wie möglich treu zu bleiben. Doch das war nicht immer so, denn der Prozess des Älterwerdens hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert.
Früher war vieles anders
Rückenschmerzen, Zahnprothesen, Schlafprobleme und Lesebrillen – wenn ich ehrlich bin, wurde ich schon als Kind durch meine Eltern und Großeltern intensiv darauf vorbereitet, dass das Älterwerden nichts für schwache Nerven ist. Diese und viele ähnlich „spannende“ Themen gehörten schließlich zum bevorzugten Gesprächsstoff der damaligen älteren Generation. Vielleicht kennt ihr auch den berühmten Satz: „Komm du erst mal in mein Alter“? Ich jedenfalls habe ihn unzählige Male gehört. Für mich klang er jedoch eher nach einer Warnung als nach einem erstrebenswerten Lebensziel.
Ruhestand und Seniorenteller
Älter werden und jung bleiben? – Das schien früher offensichtlich keine Option zu sein. Die Lebenserwartung war geringer als heute, die legendären „besten Jahre“ waren oft schon mit Mitte 50 vorbei und anschließend bereitete man sich wie selbstverständlich auf den Ruhestand vor. Wer das 55. Lebensjahr überschritten hatte, der galt häufig schon als Senior/in und konnte sich über einen Seniorenpass, Seniorenrabatte, Kaffeefahrten an den Rhein oder die Mosel und den berühmten Seniorenteller im Restaurant freuen. Mit zunehmendem Alter zogen sich viele Menschen immer weiter zurück, kleideten sich unauffälliger und akzeptierten körperliche Beschwerden mitunter einfach als unvermeidlichen und oft auch beherrschenden Teil ihres Lebens. Älter zu werden bedeutete damals fast automatisch, sich auch alt zu fühlen.
Selbstbewusst und aktiv durch die besten Jahre
Unsere Generation hingegen erlebt das Älterwerden ganz anders. Wir sind selbstbewusst, aktiv, kleiden uns jugendlich, wirken optisch nicht selten deutlich jünger als es unser Geburtsdatum vermuten lässt, entdecken neue Interessen, treiben Sport oder starten manchmal sogar noch einmal beruflich oder privat neu durch. Natürlich verändert sich unser Körper mit den Jahren und auch das Leben hinterlässt seine Spuren. Trotzdem müssen wir längst nicht mehr auf die Erfüllung unserer Ziele und Wünsche, Lebensfreude oder persönliche Entwicklung verzichten. Vielleicht liegt genau darin auch einer der größten Unterschiede zu früheren Generationen. Heutzutage möchten wir zwar älter werden, uns dabei aber trotzdem möglichst lange lebendig, neugierig und junggeblieben fühlen.

Warum uns das Altern manchmal schwerfällt
Persönliche Veränderungen
Doch ich will aufrichtig zu euch sein, auch wenn ich mich jetzt vielleicht anhöre, wie meine eigene Oma: Als Mitglied der Generation 50plus kann auch ich nicht leugnen, dass das Älterwerden manchmal keine Kleinigkeit ist: Optische Veränderungen, körperliche Wehwehchen und nachlassende Energie im Alltag fordern ihren Tribut. Mir fällt das besonders beim Yoga auf, wenn der „herabschauende Hund“ plötzlich eher einem sterbenden Schwan gleicht und ich nach der zehnten Runde „Sonnengruß“ so nach Luft schnappe, als hätte ich gerade den Himalaya in Bestzeit erklommen. Auch das Wissen darüber, dass der längste Teil unseres Lebens bereits hinter uns liegt, sorgt nicht immer für positive Stimmung. Veränderungen können manchmal ganz schön hinterhältig sein. Sie schleichen sich langsam und unauffällig in unser Leben ein, wirbeln jede Menge Staub auf und lassen uns oftmals ratlos zurück.
Gesellschaftliche Normen und individuelle Wege
Gegenwärtig ist unsere Gesellschaft stark von einem Streben nach Jugendlichkeit, Attraktivität und Erfolg geprägt. Dies wird zusätzlich durch die Medien verstärkt, die uns die weit verbreitete Illusion eines vermeintlich perfekten Lebens vorgaukeln. Und genau an diesem Punkt fühlen sich viele Frauen über 50 möglicherweise verunsichert. Sie bemerken, dass sich in ihrem Leben einiges gewandelt hat und haben das Gefühl, gesellschaftlichen Idealen nicht mehr voll zu entsprechen. Vielleicht fehlt es ihnen einfach an Selbstbewusstsein, was ihnen den positiven Umgang mit dem Älterwerden zusätzlich erschwert. Oft entsteht auch das beunruhigende Gefühl, von der Öffentlichkeit plötzlich nicht mehr wahrgenommen zu werden. Das Phänomen der Unsichtbarkeit mit über 50 ist schließlich weit verbreitet. Deshalb habe ich dem Thema „Unsichtbar mit 50plus“ einen eigenen Artikel gewidmet.
Trotz Botox & Co. – jung bleiben beginnt im Kopf
Ein frisches und attraktives Aussehen ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je. Die Beauty-Branche boomt nicht umsonst. Von Filler-Behandlungen über das Lippenaufspritzen bis hin zur Brustkorrektur – das Streben nach einem perfekten Äußeren beginnt bei vielen Frauen oft schon in jungen Jahren. Doch optische Veränderungen sind gerade für uns Frauen über 50 manchmal eine große Herausforderung. Der Wunsch, mit gesunder Ernährung, Bewegung, Schönheitschirurgie und moderner Kosmetik noch wie mit 30 oder 40 auszusehen, ist – auch in meinem nahen Umfeld – weit verbreitet. Doch ist das wirklich realistisch? Und wie weit sind wir bereit dafür zu gehen? – Habt ihr schon Erfahrungen mit Beauty-Eingriffen oder Botox und Co. gemacht? – Oder haltet ihr nichts vom Beautywahn und legt eher Wert auf Natürlichkeit? Schreibt mir eure Erfahrungen doch gerne ins Kommentarfeld. Wenn ihr Interesse an diesem Thema habt, so habe ich dazu einen separaten Artikel mit dem Titel Schönheit ist eine Frage der Selbstakzeptanz geschrieben.
Die innere Einstellung macht den Unterschied
Für mich hat jung bleiben nichts mit faltenfreier Haut oder jugendlichem Aussehen zu tun, sondern mit der inneren Einstellung. Der Spruch „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ trifft für mich den Nagel auf den Kopf. Natürlich gibt es Tage, an denen wir uns müde, genervt oder einfach älter fühlen, das ist völlig normal.
Lebendigkeit ist keine Frage der Falten
Trotzdem können wir sehr viel dafür tun, uns das Gefühl von Lebendigkeit zu erhalten. Neue Lebensziele, Hobbys und Interessen, kleine Veränderungen im Alltag, Reisen, Begegnungen, Bewegung, soziale Kontakte, Humor und eine positive Lebenseinstellung halten uns oft viel jünger als jede Anti-Aging-Behandlung oder Beauty-OP.
Ich bemerke immer wieder selbst, wie gut es tut, den Fokus nicht ausschließlich auf Einschränkungen oder Probleme zu richten, sondern auf die vielen Chancen und positiven Dinge, die uns das Leben über 50 bereithält. Wie sagt meine Schwiegermutter immer so schön „Alt werden ist nicht schön„. Doch gebe ich zu bedenken, dass es genauso wenig schön ist, nicht alt zu werden, denn wer möchte schon jung sterben? Nein, ganz im Ernst, jammern kann gelegentlich befreiend wirken, ist aber eher unproduktiv und für unser Umfeld in der Regel auch nicht gut erträglich. Lest hierzu doch gerne auch meine Artikel Unzufriedenheit mit 50plus und Unzufriedene Menschen – so gehen wir gelassener mit ihnen um . Je mehr wir uns innerlich aufgeben, desto schneller fühlen wir uns tatsächlich alt.
Zwischen Älterwerden und Jungbleiben – so finden wir den für uns passenden Weg
Doch wie können wir die richtige Balance finden? Trotz aller positiver Gedanken und Anti-Aging-Maßnahmen dürfen wir nicht vergessen, dass unser Körper mit über 50 nicht mehr so selbstverständlich funktioniert wie früher. Einerseits ist es unheimlich wohltuend für uns, aktiv zu sein, neugierig zu bleiben und uns voller Energie und Lebenslust zu fühlen. Andererseits sollten wir aber auch auf uns selbst achten und unsere Grenzen ernst nehmen. Wahrscheinlich gibt es keinen perfekten Weg, mit dem Älterwerden umzugehen.
Trotzdem habe ich im folgenden Absatz ein paar Inspirationen für euch zusammengestellt, die euch dabei unterstützen können, das Gleichgewicht zwischen Selbstakzeptanz, Lebensfreude und dem Wunsch jung zu bleiben zu finden.
7 Impulse, für die richtige Balance
Körper und Seele etwas Gutes tun
Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und kleine Auszeiten können uns dabei helfen, uns wohler und ausgeglichener zu fühlen. Wie wichtig Sport im besten Alter ist, macht eine vom IDW veröffentlichte Studie mit dem Titel „Sport hält auch im Alter jung“ deutlich.
Neugierig und offen bleiben
Neue Interessen, Reisen, Begegnungen oder kleine Veränderungen im Alltag können dafür sorgen, dass wir uns weiterhin offen, interessiert und mitten im Leben fühlen.
Eigene Wege gehen
Viel wichtiger als gesellschaftlichen Normen und falschen Vorbildern in den Medien zu entsprechen, ist es, mit uns selbst im Reinen zu sein. Wir sollten uns unserer persönlichen Stärken, Ziele und Werte bewusst sein und unseren eigenen Weg zu gehen.
Veränderungen mit Gelassenheit begegnen
Wenn wir etwas von den älteren Generationen vergangener Zeiten lernen können, dann ist es, das Älterwerden und die damit verbundenen Veränderungen gelassener hinzunehmen und sie als natürlichen Prozess des Lebens zu akzeptieren.
Sich modisch und attraktiv fühlen – ohne Jugendlichkeitszwang
Viele von uns fühlen sich durch soziale Medien und gesellschaftliche Schönheitsideale unnötig unter Druck gesetzt. Dabei sollten wir uns selbst viel weniger kritisch betrachten und endlich damit aufhören, uns mit deutlich jüngeren Frauen zu vergleichen. Mit 50plus müssen wir nicht mehr so aussehen und so leben wie eine 25-Jährige. Trotzdem können wir weiterhin attraktiv, interessant und glücklich sein. Wir dürfen weiterhin für ein jugendliches Aussehen sorgen, uns modisch kleiden und schminken. Genauso wie es uns gefällt – ganz ohne Druck und Rechtfertigungszwang.
Sich nicht zwischen „alt“ und „jung“ entscheiden
Eventuell ist es gar nicht notwendig uns zu entscheiden, ob wir würdevoll altern oder möglichst lange jung bleiben wollen. Vielleicht besteht die richtige Balance darin, beides zu sein: reich an Erfahrung und trotzdem junggeblieben, lebenslustig und voller Wünsche und Träume.
Weiterhin sichtbar bleiben
Die Angst vor dem Älterwerden ist weit verbreitet. Doch trotz grauer Haare und Falten im Gesicht bedeutet älter werden nicht unsichtbar zu werden. Das Leben ist auch mit über 50 noch lange nicht vorbei. Wir dürfen weiterhin präsent und selbstbewusst sein, uns modisch und farbenfroh kleiden, neue Dinge ausprobieren, humorvoll, lebenslustig und manchmal auch herrlich unvernünftig sein.
FAZIT
Der Alterungsprozess ist ein fester Bestandteil unseres gesamten Lebens und mit vielen, manchmal herausfordernden, Veränderungen verbunden. Doch im Gegensatz zu unseren Eltern und Großeltern, haben wir heute die Möglichkeit, älter zu werden und uns trotzdem jung, aktiv und voller Lebensfreude zu fühlen. In der heutigen Zeit ist es wichtig, unseren eigenen ganz persönlichen Weg zu finden und uns nicht allzu sehr von äußeren Einflüssen und Medien verunsichern zu lassen. Dafür brauchen wir ein starkes Selbstwertgefühl, Gelassenheit, eine positive innere Einstellung und den Mut, unser Leben weiterhin aktiv zu gestalten. Denn positives Altern beginnt oft nicht im Außen, sondern vor allem im Kopf.
Eure Meinung zählt
Wie geht ihr mit dem Älterwerden um? Fällt es euch leicht, Veränderungen zu akzeptieren? Was hilft euch dabei, euch weiterhin jung, aktiv und voller Lebensfreude zu fühlen? Ich freue mich wie immer auf eure Gedanken und Erfahrungen!
Herzlichst,
Eure Birgit
Über die Autorin:
Ich bin Birgit, Gründerin von Lifestylegebiet-50plus. Als junggebliebene Frau über 50 schreibe ich über das, was uns in dieser wunderbaren Lebensmitte wirklich bewegt: den Mut zur Veränderung, neue Perspektiven sowie das Leben und die Freiheit ab 50. Mein Ziel ist es, euch mit meinen Impulsen zu ermutigen, diese Phase als Chance zu verstehen und euren eigenen, selbst bestimmten Weg zu gehen. Lasst uns gemeinsam neu durchstarten!

