
Kennt ihr das auch: Ein anstrengender Tag liegt hinter euch, ihr seid erschöpft und müde und freut euch auf einen entspannten Abend mit einem Glas Wein oder Bier? Für viele von uns ist das ein selbstverständliches Feierabendritual. Egal, ob wir es bei einem guten Abendessen, bei einem spannenden Krimi im Fernsehen oder bei der Abendlektüre auf dem gemütlichen Sofa genießen, mit einem Glas Wein oder Bier verbinden wir oft das Herunterkommen und das Abschalten nach einem stressigen Tag. Schließlich wird Alkohol in Maßen eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Doch viele fragen sich heute: Ist ein Glas Wein gesund oder doch eher riskant?
Inhaltsverzeichnis
ToggleAlkoholgenuss im Wandel – vom Genuss zur Verunsicherung
Seit einiger Zeit stößt man in den Medien immer wieder auf beunruhigende Berichte. Darin wird eindringlich vor dem Verzehr von Alkohol, selbst in kleinen Mengen, gewarnt. Gleiches gilt für öffentliche Gesundheitseinrichtungen, wie es auch ein Artikel der WHO zeigt. Auch im Fernsehen werden hitzige Diskussionen über dieses Thema geführt. Es scheint, als ob sich Alkohol immer mehr zum Sündenbock Nummer eins entwickelt.
Warnungen und neue Studien – warum Alkohol plötzlich kritisch gesehen wird
Es werden sogar Forderungen nach einer Erhöhung der Alkoholsteuer und strengeren Reglementierungen beim Verkauf und Ausschank laut. Oft beruft man sich auf bestimmte Erkrankungen, deren Entstehung durch Alkohol gefördert werden soll. Grundlage dafür sind neue wissenschaftliche Erkenntnisse, insbesondere neue Alkoholstudien aus den Jahren 2018 und 2022, die auch von der einflussreichen medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurden. Sie kommen zu dem Schluss, dass es keine völlig risikofreie Menge Alkohol gibt.
Irritation und Rechtfertigungsdruck
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist groß, denn der moderate Konsum von Alkohol, insbesondere von Wein, galt lange als gesundheitsförderlich. Mittlerweile hat man fast das Gefühl, sich für jeden einzelnen Schluck rechtfertigen zu müssen. Doch wie ist es zu dieser Unsicherheit gekommen? Und was bedeuten diese neuen Forschungsergebnisse für uns?
Neue Studien, neue Erkenntnisse – wie sich Alkohol-Empfehlungen verändert haben
Keine Frage – Zeiten verändern sich und mit ihnen auch viele Erkenntnisse. Genauso ist es bei der Einschätzung des Trinkverhaltens. Was früher noch als geringer, empfehlenswerter Genuss betrachtet wurde, wird heute aufgrund neuer Studien als gesundheitsschädlich eingestuft. Über viele Jahrzehnte war ein maßvoller Genuss von Alkohol fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Er stand weniger für Risiko als für Lebensfreude, Genuss und Geselligkeit. Man stieß gemeinsam an, feierte, trauerte, diskutierte und lachte miteinander. Abstinenzler mussten sich früher eher rechtfertigen als umgekehrt. Und erstaunlicherweise sind viele unserer Vorfahren trotz – nach heutigen Maßstäben – deutlich erhöhtem Alkoholkonsum sehr alt geworden. Vielleicht hat ihnen der entspannte Umgang mit dem Thema „Genuss“ sogar geholfen?
Wenn sich medizinische Studien widersprechen
Mich hat dies ein wenig nachdenklich gestimmt, denn als Mitglied der Generation 50plus bin ich selbst noch mit der Überzeugung aufgewachsen, dass ein einzelnes Glas Feierabendwein oder Feierabendbier nichts ist, worüber man lange nachdenken muss.
Kann es wirklich sein, dass diese Einschätzung so falsch war? Wie konnten frühere Studien nur so irren? Millionen von Menschen haben sich schließlich auf die damalige wissenschaftliche Erkenntnis verlassen, ihrer Gesundheit mit einem maßvollen Alkoholverzehr etwas Gutes zu tun – oder ihr zumindest nicht zu schaden. Stattdessen scheint das Gegenteil der Fall gewesen zu sein. Sind medizinische Studien vielleicht weniger zuverlässig, als wir glauben?
Zwischen Aufklärung und Bevormundung – wieviel Regulierung ist sinnvoll?
Bei meinen Recherchen bin ich auf viele widersprüchliche und teils widerlegbare Aussagen gestoßen. Erschreckend fand ich vor allem den Ton, in dem diese Diskussion inzwischen geführt wird. Er wirkt fast ein wenig suggestiv, so als bräuchten wir konkrete Anweisungen für den korrekten Umgang mit unserem Alkoholgenuss. Selbstverständlich ist gesundheitliche Aufklärung wichtig und es ist auch sinnvoll, sein Verhalten gelegentlich zu hinterfragen, um ggf. neue Wege einzuschlagen. Sich täglich mehrere Gläser zu viel gönnen, ist sicherlich nicht gesund. Es fördert nachweislich einige Krankheiten und kann außerdem zu Unfällen oder chronischem Alkoholmissbrauch führen. Doch beginnt ein Übermaß wirklich schon mit dem ersten Tropfen? An diesem Punkt stellt sich für mich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit.
Der Wunsch nach Perfektion – und die Angst vor Risiken
In diesem Zusammenhang ist mir noch etwas aufgefallen: Wir leben heute in einer Zeit, die stark nach Perfektionismus ausgerichtet ist. Egal ob es um Gesundheit, Ernährung, Bewegung, Schlaf oder Genuss geht – Risiken werden bestmöglich vermieden. Fleisch, Milchprodukte, Zucker, Gluten, gespritztes Obst, Gemüse oder Fertigprodukte – für fast alles gibt es inzwischen Warnungen oder strenge Empfehlungen. Der Anspruch an völlige Kontrolle über unsere Gesundheit erzeugt zusätzlichen Druck. Vielleicht trägt genau diese Haltung dazu bei, dass der Alkoholgenuss heute viel kritischer betrachtet wird als früher.
Ein Glas Wein am Abend – ein realistischer Blick auf Alkohol und Gesundheit
Viele fragen sich, wie hoch ihr persönliches Gesundheitsrisiko durch ein Glas Wein am Abend wirklich ist und wie sie künftig damit umgehen sollen. Andere sind besorgt, dass ihnen der bislang entspannte Umgang mit Alkohol bereits geschadet hat. In meinem nahen Umfeld stelle ich ich immer wieder fest, wie groß die diesbezügliche Beunruhigung ist. Nicht selten habe ich das Gefühl, dass manchmal die Meinung besteht, dass eine völlige Abstinenz bzw. ein minimierter Alkoholkonsum automatisch zu lebenslanger Gesundheit führt.
Alkohol? – nur ein Risikofaktor unter vielen
Ich bin weder Ärztin, noch Wissenschaftlerin und schreibe diesen Artikel als stille Beobachterin. Doch wage ich zu erwähnen, dass Alkohol nicht der einzige Risikofaktor in unserem Leben ist, sondern nur einer von vielen: Von Haushaltsunfällen, über eine ungesunde Lebensweise bis hin zur Teilnahme am Straßenverkehr, alles ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Gesundheitsrisiken entstehen selten nur durch einen einzelnen Faktor. Gene, Ernährung, Übergewicht, Bewegung, Schlaf, Stress oder Rauchen beeinflussen unsere Gesundheit nachweislich stärker als ein einzelnes Lebensmittel oder Getränk. Erst das Zusammenspiel vieler Parameter formt das persönliche Risiko. Dabei geht es nicht darum, Alkohol zu verharmlosen. Niemand braucht ihn, um gesund zu leben. Aber ebenso wenig hilft es, (alltäglichen) Konsum auf eine einfache Gleichung aus richtig oder falsch zu reduzieren. Studien beschreiben Wahrscheinlichkeiten, aber kein individuelles Schicksal.
Wenn Zahlen den Alltag bestimmen
Was mich an der aktuellen Diskussion am meisten stört, ist der Druck mit dem sie geführt wird und die Besorgnis, die sie auslöst. Beides erzeugt massiven, vielleicht unnötigen, Stress und Stress kann uns stärker belasten als der gelegentliche Schluck Wein zu viel.
Grenzwerte und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit
In einigen Berichten las ich Hinweise darauf, dass Männer, nicht mehr als 20 g Alkohol täglich zu sich nehmen sollten und das auch nur an 3-4 Tagen pro Woche. Uns Frauen gesteht man höchstens die Hälfte zu. Als ich mir letztens ein großes Glas Wein gegönnt habe, ertappte ich mich selbst dabei, nachzurechnen, ob es noch im Rahmen liegen würde, oder schon etwas zu viel sein könnte… – Ist der menschliche Organismus tatsächlich in der Lage zu unterscheiden, ob wir an einem Tag 10 oder 11 g Alkohol zu uns nehmen? Wer hat diese Alkoholgrenzwerte überhaupt für uns und unsere ganz persönliche Situation festgelegt? Die Frage: „Ist ein Glas Wein gesund oder ist es eine so große gesundheitliche Bedrohung, dass wir unsere Weinration millilitergenau abmessen sollten?“ – lässt sich nur schwer beantworten. Fest steht aber, dass Wein für die meisten Menschen kein Messwert, sondern eine Gaumenfreude ist – und ein Standardglas nun mal 0,2 oder 0,25 Liter umfasst.
Alkoholpausen und Selbstkontrolle
Natürlich ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen und seine Gewohnheiten immer wieder zu überprüfen. Für Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, können Pausen wohltuend sein, um den Genuss bewusst zu erleben und nicht zur Routine werden zu lassen. Trotzdem entsteht schnell ein Gefühl ständiger Selbstkontrolle. Wenn Zahlen das eigene Körpergefühl ersetzen und Empfehlungen zu starren Regeln werden, entwickelt sich aus einem kleinen Ritual schnell ein subtiler Kontroll- und Rechtfertigungsdruck.
Genusskultur weltweit – was wir von anderen Ländern lernen können

Auch der Blick in andere Länder zeigt, wie komplex das Thema ist. In klassischen Weinregionen gehört ein Glas Wein am Abend selbstverständlich zur Esskultur, eingebettet in Mahlzeiten, Gespräche und soziale Rituale. Ernährung und Gemeinschaft spielen dort eine ebenso große Rolle wie das Getränk selbst.
Gesundheit lässt sich – meiner Meinung nach – nicht auf ein einzelnes Glas reduzieren, weder im positiven noch im negativen Sinn. Vielleicht ist es sinnvoller, das Gesamtbild unseres Lebensstils im Blick zu behalten, statt einzelne Gewohnheiten isoliert zu bewerten.
Warum das Thema ab 50 eine besondere Bedeutung bekommt
Jenseits der fünfzig bekommt diese Diskussion eine andere Tiefe. Gerade Alkohol ab 50 wird heute viel bewusster hinterfragt, weil sich Körper, Schlaf und Stoffwechsel verändern. Viele von uns haben genug erlebt, um zu wissen, dass sich das Leben nicht vollständig optimieren lässt. Wir haben Verantwortung getragen, Veränderungen gemeistert und gelernt, dass Wohlbefinden nicht nur aus Disziplin besteht, sondern auch aus Gelassenheit. Wir möchten uns nicht mehr fremdbestimmen lassen, unsere eigenen Entscheidungen treffen und unseren ganz persönlichen Weg gehen. Näheres dazu findet ihr auch in meinem Artikel Neue Wege gehen – Die Vorteile des Wandels für persönliches Wachstum. Mit den Jahren wächst oft das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung. Wir wissen meist ziemlich genau, was uns bekommt – und was nicht. Und genau diese wertvolle Fähigkeit hilft uns auch dabei, verantwortungsvoll mit unserem Trinkverhalten umzugehen.
FAZIT
Zum Thema „Alkohol“ wird es auch weiterhin unterschiedliche Meinungen geben. Deshalb sollten wir für uns selbst entscheiden, wie wir zukünftig damit umgehen wollen. Viele von uns haben gelernt, Maß zu halten und bewusste Entscheidungen zu treffen. Ein Glas Wein am Abend ist vermutlich weder ein Gesundheitsversprechen noch automatisch ein Problem – und die Frage „Ist ein Glas Wein gesund?“ lässt sich nur im persönlichen Kontext beantworten. Entscheidend bleibt, dass wir uns selbst mit Achtsamkeit begegnen und unseren eigenen Weg zwischen Wissen, Vernunft und Lebensglück finden. Lest zu diesem Thema gerne meinen Artikel Glück und Glücklichsein – was uns wirklich glücklich macht.
Eure Meinung zählt
Hat sich euer Blick auf Genuss und Gesundheit im Laufe der Jahre verändert? Seid ihr heute gelassener oder strenger mit euch selbst als früher? Schreibt mir eure Erfahrungen gern ins Kommentarfeld. Ich freue mich immer über eure Beiträge!
⇒ Hinweis zum Austausch: In diesem Blog geht es nicht darum, den einen richtigen Lebensstil zu finden. Unterschiedliche Erfahrungen und Entscheidungen dürfen hier nebeneinanderstehen – respektvoll und ohne einander überzeugen zu müssen.
Herzlichst
Eure Birgit
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Unterhaltung. Ich bin keine Ärztin oder Wissenschaftlerin. Die Inhalte ersetzen keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Fragen sollte immer ein qualifizierter Arzt konsultiert werden.
Über die Autorin:
Ich bin Birgit, Gründerin von lifestylegebiet-50plus. Als reflektierte und junggebliebene Frau über 50 schreibe ich über das, was uns in dieser wunderbaren Lebensmitte wirklich bewegt: Neue Perspektiven, den Mut zur Veränderung sowie das Leben und die Freiheit ab 50. Mein Ziel ist es, euch mit meinen Impulsen zu ermutigen, diese Phase als Chance zu verstehen und euren eigenen, selbst bestimmten Weg zu gehen. Lasst uns gemeinsam neu durchstarten!“

